Turniervorbereitung

Wie bereitet man sich eigentlich gut auf ein Turnier vor?

Heute ist der große Tag - Rookie-Cup. Ich will nicht unbedingt gewinnen, aber meine Schläge sollten schon so kommen, wie zuletzt auf der Driving Range gezeigt. Ich will mich verbessern, mein HCP runter spielen und wenn ich ehrlich bin, es wäre schon verdammt stark bei der Siegerehrung aufgerufen zu werden.

Und dann der erste Abschlag. Wow, der Kollege vor mir hat da aber ein richtiges Pfund rausgelassen. Jetzt bin ich dran, Eisen 7, soll ja erst mal sicher aufs Fairway… oder doch die 5, warum eigentlich kein Holz, ach was ich nehme den Driver. Tee raus, Ball drauf… Power ist alles und jetzt starte ich durch… Zing…. nein Deng, gleich links ins Aus, Captain Hook der Einäugige!

Der Kampf um Punkte kann zu echtem Stress ausarten wenn man merkt, dass es mal wieder überhaupt nicht klappen will. Und oft genug beginnt das mit dem allerersten Schlag. Kann man das vermeiden, kann man sich besser vorbereiten, die Wahrscheinlichkeit für einen Fehlschlag verringern? YES you can!

Eigentlich besteht eine gute Vorbereitung aus zwei Elementen: Platzstrategie ausarbeiten und vor der Teetime richtig aufwärmen und einschlagen.

Das Aufwärmen und Einschlagen:
Mindestens am Tag vor dem Turnier solltest Du Deine Abschlagzeit kennen, also vorher informieren und dann eine bis eineinhalb Stunden vorher eintreffen. Natürlich ist was zum Trinken im Bag, dazu ein Snack, beispielsweise Bananen oder Müsliriegel.

  • Gehe ins Clubbüro und melde Dich an, danach geht's entspannt auf die Driving Range.
  • Als erstes gilt es die Muskulatur zu dehnen und auf Temperatur zu bringen. Nimm Dir 5-10 Minuten Zeit dafür und hole dann einen Korb Bälle aus dem Automaten.
  • Und jetzt erst mal mit dem Driver der versammelten Konkurrenz zeigen wo der Hammer hängt? Nein, auch Pro's bereiten sich ganz locker und entspannt vor. Nimm eine Wedge und schlage erst mal einige Bälle mit halbem bis 3/4 Schwung. Entwickle dabei Deinen Rhythmus und versuche ein gutes Treffmoment zu finden.
  • Danach ein Eisen 8 oder 9, konzentriere Dich auf die Ansprechposition, den Griff, schlage locker mit 80%, es geht nicht um Weite sondern um Rhythmus.
  • Jetzt gehst Du mit Deinen Eisen immer weiter runter, also das 7er Eisen, das 6er bis zum längsten Eisen das Du spielst. Immer nur 3-5 Schläge, immer nur 80%, es soll sich gut anfühlen, also unangestrengt und souverän.
  • Nimm Deine Hölzer oder Rescues, auch hier vom Kurzen zum Langen und erneut nur 3-5 Schläge, das reicht.
  • Wenn Du dabei mit einem Schläger nicht zurecht kommst, nimm immer mal wieder ein kurzes Eisen und mache einige halbe oder 3/4 Schläge mit viel Zurückhaltung. Danach gehst Du wieder zurück zum jeweiligen Schläger.
  • Probiere zuletzt auch den Driver, wenn Du ihn gerne spielst. Und auch hier gilt die Maxime, mit reduzierter Power einen runden Schlag hinzubekommen, sauber im Treffmoment zu sein, Präzision kommt vor Länge, that's it!
  • Mit welchem Schläger möchtest Du Deinen ersten Abschlag machen? Ein guter Tipp ist, hierfür den "Liebllingsschläger" zu nehmen. Nimm das gute Stück noch mal in die Hand und stell Dir vor, dass Du jetzt am Abschlag stehst. Und auch hier gilt die Empfehlung: Zurückhaltung, genau wie gleich am ersten Tee.
  • Wenn Dein Korb leer ist gehst Du zum Chipping Green. Versuche aus 10-15 Metern nah an die Fahne zu chippen, ganz locker, so wie gleich auf dem Platz. Zehn Minuten sind hierfür nicht zu viel und auch ein paar Schläge aus dem Bunker sind sinnvoll, auch um die Beschaffenheit des Sandes zu prüfen.
  • Anschließend gehst Du auf das Green und versuchst ein Gefühl für die Puttlängen zu entwickeln. Du kannst beispielsweise mit drei Bällen auf ein Loch spielen, wobei Du die Puttlängen variieren solltest. Ganz wichtig: Spiele auch die ganz kurzen Putts.


Die Platzstrategie:
Mit dem Ausarbeiten einer Platzstrategie ist nicht gemeint, schon vorher ganz genau bestimmen zu wollen, wie und mit welchem Schläger man die einzelnen Bahnen spielt. Letztendlich muss man situativ agieren, vor allem auch als Spieler mit höherem HCP, denn der Ball landet nunmal nicht immer dort wo er soll. Aber dennoch, man kann einige Grundregeln beachten und dadurch flexibel und strategisch spielen. Einige Empfehlungen sind:

  • Spiele Dein eigenes Spiel und lass Dich nicht durch Deine Flightpartner zu Schläge(r)n hinreissen, die Du eigentlich gar nicht spielen solltest.
  • Plane Deine Abschläge vom Tee so, dass Du Dich von der gefährliche Seite des Fairways fern hältst. Damit sind Ausmarkierungen oder auch Wasserhindernisse gemeint.
  • Bestrafe Dich nicht für gute Schläge! Will heissen: Ziele stets so wie Du schlagen möchtest und nicht extra nach links oder rechts, nur weil die Schläge zuvor eine entsprechende Tendenz hatten.
  • Treffe klare Entscheidungen wann Du welches Risiko gehen willst. Schwierige Schläge unter Druck funktionieren nicht gut, wenn Du das vorher nicht ausreichend trainiert hast. Eine Empfehlung ist die 70% Regel die empfiehlt, nur die Schläge zu probieren, die auch mindestens zu 70% funktionieren.
  • Dein Par resultiert aus Deiner Stammvorgabe. Auch ein Double-Bogey ist ein sehr gutes Ergebnis, wenn Du HCP 54 hast.
  • Bestimme bei jedem Annäherungsschlag die Entfernung zum Grün und die Position zur Fahne und wähle dann den richtigen Schläger.
  • Ein flacher Pitch ist oftmals der bessere Schlag als ein spektakulärer Lob - bei einer Zählrunde kommt es auf den Score an und nicht auf den Style.
  • Ziele niemals so, dass der geradeaus fliegende Ball in einer Problemzone landen könnte.
  • Lass Dich nicht durch ein schlecht gespieltes Loch unterkriegen. Motiviere Dich positiv, nur der nächste Schlag zählt.
  • Und last but not least: Easy goes lucky - das heisst manchmal ist weniger (80% Power) deutlich mehr und Golf ist ein Spiel - vergesse das nicht. Freude und Fairness gehören unbedingt dazu!
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